18.01.2023 00:00 Alter: 11 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Schafe unter Strom

Aufgrund der großen Nachfrage nach erneuerbaren Energien wird es in Zukunft immer mehr Photovoltaikanlagen auf Freiflächen geben. Eine Chance für die Schafbauern?

Foto: Edegger

Ein zentrales energie- und klimapolitisches Ziel der österreichischen Bundesregierung ist es, die Stromversorgung des Landes bis 2030 auf 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energieträgern umzustellen und Österreich bis 2040 klimaneutral zu machen. Das Erneuerbaren-Ausbau Gesetz EAG vom Juli 2021 sieht den Ausbau von Freiflächen ohne Leistungsbeschränkungen vor, was den Bau von Photovoltaikanlagen auf Freiflächen ankurbeln wird. Kritiker werfen den Betreibern von Photovoltaikanlagen im Freiland vor, Flächenräuber zu sein. Die Lebensmittelproduktion sollte auf den Flächen Vorrang haben. Betreiber hingegen bewerben die Doppelnutzung der Flächen, nämlich die Stromproduktion und die Beweidung durch Schafe. Sie sprechen auch nicht von Flächenversiegelung, da die Anlagen leicht und ohne Spuren nach einer Nutzung abgebaut werden können. Die Kärntner KELAG beispielsweise bezeichnet die Kombination von Schafen und PV als „unschlagbares Team“. Sie wirbt neben der Doppelnutzung mit wolfssicheren Weiden durch bestehende Einzäunung und Witterungsschutz für die Tiere. Spezialanlagen mit höherer Bauweise und größeren Reihenabständen erlauben sogar den Anbau von Feldkulturen oder eine Mähnutzung zwischen den Reihen.

 

Das braucht das Tier

 

Grundsätzlich ist es einfach, Schafe extensiv in Photovoltaikanlagen zu halten. Die Tiere genießen durch die Photovoltaikelemente Schutz, sprich sie haben einen Unterstand bei Regen und einen Schattenspender im Sommer. Wasser muss für die Schafe natürlich dauerhaft verfügbar sein. Ideal sind Trogtränken, aber auch Tränkebecken sind möglich. Da Photovoltaikanlagen in der Praxis meist sowieso umzäunt werden, sind die Schafe darin vor großen Raubtieren geschützt. Mit mobilen Elektrozäunen können die Flächen unterteilt werden, etwa um den Parasitendruck möglichst gering zu halten und ein konstanteres Futterangebot zu gewährleisten. Als vorteilhaft erweist sich auch eine mobile Weideraufe für die Zufütterung von Heu im Frühjahr und im Herbst. Leider kann dabei rund um den Fressbereich die Grasnarbe verletzt und der Boden aufgeweicht werden. Sofern die Tiere über den Winter nicht in einen Stall verbracht werden, brauchen sie über die kalten Monate einen Unterschlupf am Gelände. Dieser sollte eine frostsichere Wasserzufuhr aufweisen. Auch ein geschützter, etwas wärmerer Bereich für Lämmer ist vorteilhaft. Ideal wäre es, einen Stall an die Photovoltaikanlage anzubauen, dann hätten die Tiere ganzjährig jederzeit Schutz, Weide und Auslauf.

 

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