13.09.2023 00:00 Alter: 258 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Richtig betäuben und schlachten - Teil 1

Ein Tier zu schlachten ist eine heikle Angelegenheit und will gelernt sein. In zwei Teilen erfahren Sie, was beim Betäuben und Schlachten kleiner Wiederkäuer zu beachten ist.

Foto: Schmücking

Wer Schafe oder Ziegen selbst schlachten möchte, muss tierschutzkonform vorgehen. Außerdem ist dazu ein Sachkundenachweis oder eine entsprechende Ausbildung, wie sie etwa landwirtschaftliche Fachschulen bieten, nötig. Nur bei der Schlachtung für den Eigenbedarf ist der Sachkundenachweis nicht verpflichtend. Eine stressfreie und saubere Schlachtung beginnt jedoch bereits vor der Betäubung mit dem angemessenen Umgang mit den Tieren und dem richtigen Transport der Tiere. Darum beschäftigt sich der erste Teil des Beitrags mit dem Verhalten der Tiere. In Teil 2 geht es dann ums richtige Betäuben und Töten des Tieres.

 

Eigenschaften der Tiere

 

• Schafe und Ziegen sehen recht gut, Gehör- und Geruchssinn sind ebenfalls gut entwickelt.

• Schafe und Ziegen haben einen sehr starken Herdentrieb. Sie fühlen sich in der Gruppe am wohlsten. Die Isolation von der Gruppe bedeutet großen Stress für ein einzelnes Tier. Daher sollten im Wartestall immer mehrere Tiere stehen.

• Schafe und Ziegen sind Fluchttiere mit einem starken Folgeinstinkt. Die ganze Herde flieht meist geschlossen auf das Zeichen eines einzelnen Tieres hin.

• Einzelne Tiere, insbesondere Böcke und Widder, können unvermutet angreifen.

• In Panik geratene Schafe können „kopflos“ losstürmen. Dabei können sie von Rampen stürzen, sich gegenseitig erdrücken oder zu Tode trampeln.

• Schafe und Ziegen können gut springen. Zäune oder Treibgangbegrenzungen von einem Meter Höhe werden von vielen Tieren leicht überwunden.

• Besonders Schafrassen mit tonnenförmigem Körper fällt es oft schwer, das Gleichgewicht zu halten. Sie können daher beim Transport leicht umkippen oder stürzen.

• Schafe und Ziegen haben relativ dünne Beine, mit denen sie leicht in Spalten geraten können.

• Schafe werden häufig als „stille Dulder“ bezeichnet. Belastungen und Schmerzen sind ihnen nur schwer anzumerken.

• Das Ziehen am Fell ist für Schafe und Ziegen sehr schmerzhaft, da ihre Haut leicht einreißt.

• Bei einem Vlies von mehr als zwei Zentimeter Länge sind Schafe fast vollständig wärmeisoliert. Sie können Wärme dann nur durch Hecheln abgeben und brauchen mehr Wasser. Daher kann es bei Temperaturen über 20 °C häufig zu Wassermangel kommen. Ist die Wolle durchnässt, isoliert sie nicht mehr so gut und es kann zum Auskühlen des Körpers kommen.

• Als täglicher Trinkwasserbedarf sind in Abhängigkeit vom Wassergehalt des Futters zwei bis fünf Liter pro Tier anzunehmen. Bei hohen Umgebungstemperaturen und während der Laktation steigt der Wasserbedarf auf bis zu 15 Liter pro Tag.

 

Angst erkennen

Weit geöffnete Augen und Nasenöffnungen, Zittern und vermehrter Kot- und Harnabsatz weisen darauf hin, dass die Tiere Angst haben. Ängstliche Schafe und Ziegen drängen sich zusammen, Herden werden kleiner und dichter. Einzelne Tiere warnen die Herde, indem sie mit den Vorderbeinen stampfen und die vordere Rumpfpartie mit Kopf und Hals steil aufrichten. Die Hinterbeine sind gespreizt und zum Sprung angewinkelt. Die Ohren werden nach hinten und nach unten gestellt. Bei extremer Angst können Schafe hell und langgezogen schreien. Als Zeichen von Kampfbereitschaft gelten das Stampfen mit den Vorderbeinen, das Senken der Stirn zum Kopfstoß und angedeutete oder ausgeführte Bocksprünge gegen den Gegner. Achtung: Mehrere erfahrene Tiere können auch gemeinsam attackieren.

Eingeschränkte Wahrnehmung

Schafe haben ein Gesichtsfeld von etwa 270° und sehen nur in einem direkt vor ihnen liegenden Bereich von etwa 30° bis 45° scharf und räumlich. Direkt hinter den Tieren ist ein „toter Winkel“ von 60 bis 90°, je nach Behornung, Wolllänge und Stellung der Ohren. Außerhalb des Bereichs, in dem Schafe scharf sehen, können sie die Größe und Geschwindigkeit von Objekten nur schwer abschätzen und erschrecken deshalb relativ leicht. Daher sollen Treibwege gut einsichtig, möglichst breit, ohne Verengungen, scharfe Kurven und Verletzungsmöglichkeiten sein. Eine deutliche Begrenzung, möglichst blickdicht bis über Augenhöhe, gibt eine gute Orientierung und schafft wenig bis keine Ablenkung. Die Tiere dürfen die seitlichen Begrenzungen nicht überwinden können. Darüber hinaus hilft eine einheitliche, blend- und schattenfreie Beleuchtung, die im Zielbereich heller sein soll. Die Böden sollen trittsicher und rutschfest sein, ohne Spalten und möglichst eben (maximal 20° Steigung). Hindernisse wie Stufen, Pfützen, Schattenlinien oder Abflussrinnen erschweren den Trieb ebenso wie Menschen und deren Bewegungen vor den Tieren.

 

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