19.04.2022 00:00 Alter: 233 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Die Sonnenbrand-Schafe

Ein Tierarzt bei Zürich und ein Profi-Schäfer in Genf schätzen die aus Frankreich stammenden Rouge de l'Ouest-Schafe für das ausgeprägt gute Fleisch-Knochen-Verhältnis. Die roten Schafe sorgten aber auch schon für rote Köpfe bei der Polizei.

Foto: Zufferey

Es war an einem Ostermontag, als unerwartet Polizisten aufkreuzten. „Ohne uns zu begrüßen begannen sie unsere Schafe zu fotografieren“, erinnert sich Besitzer Christian Feusi. Er ist Tierarzt in Wädenswil unweit der größten Schweizer Stadt Zürich. Feusi züchtet seit über 30 Jahren Schafe. Er begann mit Braunköpfigen Fleischschafen, jetzt hält er Rouge de l`Ouest (RDO), was wörtlich übersetzt „die Roten aus dem Westen“ bedeutet. „Jemand hat die Polizei wegen eines vermeintlichen Tierschutzproblems alarmiert“, erzählt er. Seine Schafe litten angeblich an einem Sonnenbrand, so Feusi, der den Polizisten dann aber gleich Entwarnung geben und das Rot der Schafe als völlig natürliche Färbung erklären konnte.

 

Erste Importe nach Genf

 

Die aus dem Nordwesten Frankreichs stammende Fleischrasse wird aufgrund ihres feinen Knochenbaus und der niedrigen Geburtsgewichte speziell in Belgien und Holland für Gebrauchskreuzungen verwendet. In die Schweiz importiert wurden sie erstmals vor über 30 Jahren von einigen Schäfern aus dem französischsprachigen Genf. Das Gebiet rund um die zweitgrößte Stadt der Schweiz ist stark von Landwirtschaft geprägt. Viele Bauern bewirtschaften auch Flächen im unmittelbar angrenzenden Grenzgebiet Frankreichs. So auch Jean-Jacques Imberti, dessen Großeltern aus der italienischen Schäfer-Hochburg Bergamo nach Genf kamen. Er bewirtschaftet eine Fläche von 238 Hektar, davon 60 Hektar auf Schweizer Boden. Die meisten seiner Flächen nutzt er für den Ackerbau. Er baut Weizen, Raps, Sonnenblumen oder Soja an. Vor Aussaaten lässt er die Äcker häufig von seinen fast 400 RDO-Schafen beweiden. Den Sommer verbringen sie auf Ausläufern des Jura-Gebirges. Sein Wohnort und sein Schafstall befinden sich im südöstlich von Genf gelegenen Grenzdorf Vessy und damit bis zu eine Stunde Autofahrt von seinen Schafen entfernt. Imberti schätzt vor allem die guten Muttereigenschaften: „RDO-Schafe haben mehr Milch und damit ein gutes Aufzuchtvermögen, sodass die Lämmer früh schlachtreif sind.“ Selbst bei Zwillings- und Drillingsgeburten, was bei RDO vergleichsweise häufig vorkommt, muss man kaum ein Lamm mit der Flasche aufziehen. Das bestätigt auch Feusi. Falls doch mal eine Aue einen Einling zur Welt bringt, rät er, solche Muttertiere bei den gelten Schafen zu halten, wo sie mit weniger energiereichem Futter versorgt werden. Feusi haben vor allem der feine Knochenbau und die gute Bemuskelung überzeugt. „Dank des ausgesprochen guten Fleisch-Knochen-Verhältnisses sind RDO-Lämmer bereits ab 40 Kilo Lebendgewicht schlachtreif, bei einem Schlachtgewicht von 20 Kilo“, erklärt er. Damit sind sie sehr wirtschaftlich. Außerdem gelten RDO-Schafe als sehr wurmresistent. Weit verbreitet ist die Rasse in der Schweiz jedoch nicht, wohl auch weil man sie als unschön empfindet. Doch Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Christian Feusi jedenfalls mag den roten Kopf, und „das Gesicht, so samtig wie ein Pfirsich“.

 

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