01.06.2022 00:00 Alter: 190 days
Kategorie: Aktuelles Heft, Startseite

Den Parasiten davonlaufen

Optimale Futterqualität auf der Weide bei geringer Parasitenbelastung? Parasitologe Felix Heckendorn verrät, wie mit geschickter Weideführung beides möglich ist!

Foto: Switlana Sonyashna/shutterstock.com

Tierernährer empfehlen grundsätzlich andere Dinge als Parasitologen. Das Ziel eines Tierernährers ist qualitativ hochwertiges Futter für die Tiere. Das Ziel des Parasitologen ist es, die Ausbreitung von Parasiten weitgehend zu vermeiden. Würden diese beiden Wissenschaften ihre Kommunikation verstärken, gäbe es mit Sicherheit viele positive Effekte. Beim Parasitenbefall unserer Kleinwiederkäuer sind zwei Dinge entscheidend: die Schadwirkung der Parasiten einerseits auf die Tiergesundheit und andererseits auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Magen-Darm-Würmer sind dabei am relevantesten. Parasiten werden meist mit Medikamenten bekämpft. Es gibt viele verschiedene Produkte dazu. Werden diese nicht gezielt und zu oft eingesetzt, können die Parasiten Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln, die dadurch ihre Wirkung verlieren. Das heißt, Sie müssen selektiv entwurmen, nicht die ganze Herde! Gewisse Entwurmungsmittel wirken sich auch negativ auf die Umwelt aus. Besonders Insekten wie Mistkäfer, die den Kot zersetzen würden, sind davon betroffen.

 

Nach 14 Tagen von der Weide

 

In einem über drei Jahre laufenden Versuch wurden die infektiösen Larven auf einer Schafweide von 0 bis 16 Wochen nach Weidebeginn gezählt. Dafür wurde die Weide mit der Schere geschnitten, die Larven wurden ausgewaschen und gezählt. Verwurmte Schafe wurden zwei Wochen lang auf die bis dahin nie mit Schafen bestoßene Weide getrieben. Sowohl bei der Frühjahrs- als auch bei der Sommerweide wurden in den ersten zwei Wochen keine infektiösen Larven nachgewiesen. Schon nach drei Wochen erreichte die Anzahl dieser Larven dann jedoch ein erstes Hoch, und nach etwa sechs Wochen war das Maximum der infektiösen Larven auf der Weide erreicht. Wir kennen die Faustregel, dass nach sechs Wochen Weidepause das Gras wieder angewachsen ist, und dann lassen wir die Schafe wieder auf die Weide. Das geschieht dann also zu einem Zeitpunkt, wo es extrem gefährlich ist, was die Ansteckung betrifft. Danach nimmt die Larvenmenge wieder ab, und nach zehn bis zwölf Wochen gibt es wieder relativ wenig Larven, weil diese mit der Zeit absterben. Das Ergebnis dieses Versuchs ist also: Nach 14 Tagen sollte man die Tiere von der Weide nehmen, um Reinfektionen zu vermeiden. Nach 70 Tagen könnte man wieder relativ gefahrlos auf die Weide gehen. Aber was macht man in dieser Zeit mit der Weide?

 

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